Prof. Dr. Richard Pott aus Münster erhält Reinhold-Tüxen-Preis

Tüxen Preisverleihung

Die Stadt Rinteln hat zum Andenken an ihren Ehrenbürger, den Vegetationswissenschaftler Prof. Dr. Drs. h. c. mult. Reinhold Tüxen, den mit 5.000 Euro dotierten Reinhold-Tüxen-Preis gestiftet, um Persönlichkeiten auszuzeichnen, die "Hervorragendes in Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Vegetationskunde" im In- und Ausland geleistet haben.

Dieser Preis ist bislang der einzige Wissenschaftspreis, der ausschließlich an Persönlichkeiten aus den ökologischvegetationskundlichen Disziplinen verliehen wird und deshalb auch international große Beachtung findet.

Der Preis wurde seit 1987 alle zwei Jahre und seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre vergeben.

Auf Empfehlung des Kuratoriums der Reinhold- und Johanna-TüxenStiftung wurde der Reinhold-Tüxen-Preis 2021 am 14. Mai 2021 im historischen Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Rinteln an

Herrn Prof. Dr. Richard Pott, Münster verliehen.

Die Preisverleihung erfolgte Corona bedingt in kleinstem Rahmen durch den Bürgermeister der Stadt Rinteln, Thomas Priemer. Die Laudatio hielt der Vorsitzende der Reinhold-Tüxen-Gesellschaft, Herr Professor Dr. Hansjörg Küster. Neben der Familie Pott nahm auchHerr Professor Dr. rer. nat. Joachim Hüppe aus Hannover an der Preisverleihung teil.

Richard Pott wurde am 8. Juli 1951 in Tecklenburg geboren und wuchs in Brochterbeck im Teutoburger Wald auf. Nach dem Abitur in Ibbenbüren studierte er von 1971 bis 1977 Biologie, Geographie und Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Anschließend promovierte er 1979 an der Naturwissenschaftlichen Fakultät zum Dr. rer. nat. bei Prof. Dr. Ernst Burrichter, der ihn stark prägte und förderte. Er wechselte anschließend aus dem Bereich der Botanik in das Institut für Geographie der Universität Münster, wo er eine Stelle als Akademischer Rat bekleidete und sich 1985 für die Fächer Landschaftsökologie und Vegetationsgeographie habilitiert.

1986 erhielt er einen Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität München als Nachfolger von Prof. Dr. Paul Seibert. Diesem Ruf folgte er aber nicht, weil er im darauf folgenden Jahr 1987 einen Ruf auf den renommierten Lehrstuhl für Geobotanik an der Universität Hannover (heute: Leibniz Universität Hannover) erhielt. Er übernahm nun für lange Zeit, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2019, die Leitung des Instituts für Geobotanik in Hannover.

Er wurde mehrmals zum Dekan des Fachbereichs Biologie gewählt, fünf Jahre lang war er Vizepräsident der Universität Hannover. Er übernahm verschiedene Gastprofessuren, und zwar an den Universitäten in Peking, Palermo, La Laguna auf Teneriffa und Zürich.

Von 1987 bis 2019 war er Vorsitzender der Reinhold-TüxenGesellschaft und der Reinhold-und-Johanna-Tüxen-Stiftung. 1983 wurde er in die Akademie für Ökologische Landesforschung in Nordrhein-Westfalen berufen, deren Präsident er von 1987 bis 2003 war. 2003 wurde er Mitglied der Braunschweigischen Akademie der Wissenschaften (Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse), seit 2014 ist er Gründungsmitglied der Wissenschaftlichen Sozietät zu Hannover.

Richard Pott publizierte seine vielfältigen Forschungsergebnisse in den Feldern der Allgemeinen und speziellen Geobotanik, der Vegetations- und Klimageschichte, der Pflanzensoziologie und der Gewässerökologie in einigen hundert Veröffentlichungen. Er legte mehrere Standardwerke zur Ökologie und Vegetationskunde in Buchform vor.

Einige Arbeiten sollen besonders hervorgehoben werden: Gemeinsam mit einer Gruppe von Doktoranden kartierte er die Vegetation der Ostfriesischen Inseln neu, von denen Reinhold Tüxen vor einigen Jahrzehnten eine umfassende Darstellung der Vegetation vorgelegt hatte. Auf diese Weise konnten Pott und seine Mitarbeitergruppe dokumentieren, wie sich Vegetation und Landschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hatten. Dies ist an kaum einem anderen Ort der Welt so gut gelungen wie im Fall der Ostfriesischen Inseln, weil zwei exzellente Organisatoren von Wissenschaft dahinter standen: zuerst Reinhold Tüxen, dann Richard Pott.

Richard Pott schrieb eine Übersicht der Pflanzengesellschaften Mitteleuropas und fasste auf diese Weise die Arbeiten zusammen, die in der Vegetationskunde seit den Anfängen unter Reinhold Tüxen geleistet worden waren. Das Buch erschien in zwei Auflagen und fand weite Verbreitung.

Anschließend verfasste Richard Pott mehrere Übersichtswerke der Vegetation der gesamten Erde, nachdem er die verschiedenen Kontinente auf zahlreichen Forschungsreisen besucht hatte. Die Bücher erschienen im Springer Verlag, einem der weltweit führenden Wissenschaftsverlage.

Richard Pott schuf nicht nur grundlegende Werke zur Vegetation der Erde; er knüpfte auch zahlreiche Kontakte zu anderen Menschen. Er verstand und versteht es in ungewöhnlicher Weise, andere Menschen zu begeistern und zu integrieren. Das brachte ihm nicht nur viele fachliche und persönliche Freundschaften ein, sondern führte auch immer wieder zu Angeboten, in die Politik einzutreten. Er hat dies stets abgelehnt, weil ihm wissenschaftliche Arbeiten mit
Pflanzen und Vegetation dann doch wichtiger waren.

Mit Professor Richard Pott wurde ein exzellenten Wissenschaftler geehrt, der das Fach Geobotanik in enger Nachfolge von Reinhold Tüxen nachhaltig geprägt hat und auch weiterhin prägt.

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