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Beim Abitur hat die Vernunft gesiegt

Der Wert des Föderalismus wird zurzeit oft beschworen. Die Bildungspolitik allerdings war dafür zuletzt kein gutes Beispiel. Erst preschte Bayern vor und verlegte die Abiturprüfungen nach hinten. Dann wollte Schleswig-Holstein sie gleich ganz ausfallen lassen. In Rheinland-Pfalz und Hessen hingegen laufen die Prüfungen bereits. Nordrhein-Westfalen wartete erst einmal ab. Und die Kultusministerkonferenz musste nun Ordnung in das Chaos bringen. Gut, dass dies den Schulministern der Länder am Mittwoch weitgehend gelungen ist. Das Wichtigste: Die Länder untereinander verpflichten sich, die Abschlüsse gegenseitig anzuerkennen. Prüfungen sollen nicht ausfallen, sondern allenfalls verschoben werden - sofern das Infektionsschutzgesetz das zulässt. Mit diesem Nachsatz allerdings bleibt eine gewisse Unsicherheit bestehen. Der Streit der Bundesländer um das Abitur in Corona-Zeiten war von vornherein so unverständlich wie überflüssig. In den meisten Ländern fehlen den Abiturienten wegen der Schulschließungen nur wenige Wochen bis zu den Osterferien, in NRW ganze drei. Dann wäre ihre Unterrichtszeit ohnehin beendet gewesen. Und die Prüfungssituation kann so organisiert werden, dass die Schüler größtmöglichen Abstand wahren. Schließlich stehen die Schulen leer. Am Aufsichtspersonal dürfte es auch nicht scheitern - Lehrer, die nicht unterrichten, können diese Aufgabe übernehmen. Hätten sich die Länder nicht geeinigt, wären die Abiturienten zu den Leidtragenden geworden. Schlimmstenfalls hätten sie sich nur noch an den Universitäten ihres eigenen Bundeslandes einschreiben können. Dann wäre der föderale Flickenteppich perfekt. Das alles hat der Beschluss vom Mittwoch verhindert - die Vernunft hat gesiegt.

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